Bundesweit fast 70.000 Einsätze durch Orkan "Kyrill"
Autor:
Webmaster
Uhrzeit:
16:22 Uhr
Datum:
Freitag, 19.Januar 2007
Berlin (ots) - Von gespannt bis normal reicht die erste Bilanz,
die sich nach dem Orkan "Kyrill" in den deutschen Feuerwehren
abzeichnet. "Bundesweit wurde uns von fast 70.000 Einsätzen
berichtet", erklärt Rudolf Römer, stellvertretender
Bundesgeschäftsführer des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV). Bei
rund 100.000 eingesetzten Feuerwehrkräften gab es zwei Todesopfer zu
beklagen. Hinzu kommen mindestens 30 verletzte Feuerwehrangehörige -
darunter etwa ein Berufsfeuerwehrmann in Dresden, der
Kopfverletzungen davontrug.

In Berlin verzeichneten die in Ausnahmezustand versetzten
Feuerwehren über 1.100 Einsätze. Da am neuen Hauptbahnhof ein
Stahlträger abgestürzt war, wurde das komplette Gebäude für die
Untersuchung gesperrt. Im Nah- und Fernverkehr kam es dadurch zu
Störungen. In Dresden wurde bei etwa 430 Einsätzen zudem ein weiterer
Freiwilliger Feuerwehrmann leicht verletzt.

In Nordrhein-Westfalen gab es nach Angaben des Innenministeriums
bis zum frühen Vormittag 26.672 Feuerwehreinsätze. Pressesprecher
Rainer Suttrop berichtet für die Feuerwehr Dortmund von technischer
Hilfe bei 1.482 Einsätzen. "Besonders hervorzuheben ist die Hilfe der
Bundeswehr mit drei Kranwagen des Instandsetzungsbataillons",
resümiert er. "Die Orkanböen deckten das Flachdach eines
Mehrfamilienhauses ab; 32 Wohnungen wurden evakuiert. Auch zwei
Dachstühle hielten der Windlast nicht stand und brachen zusammen", so
Suttrop. Hinzu kamen Bäume auf einer Freileitung und einem Gastank
sowie ein -vermutlich nicht sturmbedingter- Dachstuhlbrand.

Köln: Holzplatten im Museum / Ankerketten bei Rhein-Partyschiff
gerissen

In Köln gab es 758 Einsätze, darunter einen Kran, der auf den
Neubau einer Schule fiel: "In der Spitzenzeit gegen 19 Uhr gingen in
der Leitstelle innerhalb von 15 Minuten 1.400 Anrufe ein", erklärt
Pressesprecher Daniel Leupold. Am Roncalliplatz flogen Holzplatten in
das Römisch-Germanische Museum; am Rhein musste ein Partyschiff
gesichert werden, nachdem zwei Ankerketten gerissen waren.

Für Bayern bilanziert Alfons Weinzierl, Vorsitzender des
Landesfeuerwehrverbandes, rund 20.000 Einsätze, bei denen über 75.000
ehrenamtliche Kräfte Hilfe leisteten. Nachdem der Sturm einen
Dachstuhl angehoben hatte, musste auch in München ein
Mehrfamilienhaus evakuiert werden. "Insgesamt hatten wir bislang rund
700 Einsätze", sagt Stefan Grad, Pressesprecher der Feuerwehr
München.

Hannover/Nürnberg: Über 1.000 Flug- und Bahnreisende betreut

Durch den Sturm kamen auch viele Flug- und Bahnreisenden nicht
mehr an ihren Zielort: Allein in Hannover und Nürnberg wurden über
1.000 Reisende von Feuerwehr und Rettungsdienst betreut sowie teils
in Notunterkünften untergebracht. Während die Feuerwehr Hannover
insgesamt etwa 500 Einsätze abarbeitete, wurden die Einsatzkräfte in
Nürnberg insgesamt etwa 230 Mal aktiv.

In Hamburg wurden die Feuerwehrmänner und -frauen bis in die
frühen Morgenstunden zu 458 Einsätzen gerufen; besonders
hervorzuheben sind hierbei diverse Störungen des Bahnverkehrs durch
Bäume, das zu zwei Dritteln abgedeckte Dach eines
Wohn-Geschäftshauses sowie das teils abgelöste Kupferdach der Hammer
Kirche. Die letztere Einsatzstelle konnte erst abgearbeitet werden,
nachdem der Orkan nachgelassen hatte; zunächst sperrte die Polizei
den Bereich großflächig ab. Vor allem überflutete Straßen und
vollgelaufene Keller forderten in etwa 1.000 Fällen den Einsatz der
Feuerwehren in Schleswig-Holstein, so der Landesfeuerwehrverband.

Nur 28 sturmbedingte Einsätze in Stuttgart

Keine besonderen Ereignisse verzeichneten die Feuerwehren in
Gelsenkirchen (490 Einsätze), Frankfurt (300 Einsätze), Leipzig (140
Einsätze) und Kaiserslautern (102 Einsätze). Der Stuttgarter
Feuerwehr-Pressesprecher Guido Thimm hatte mit lediglich 28
sturmbedingten Einsätzen eine "erfreulich niedrige" Bilanz zu
vermelden.

Originaltext: Deutscher Feuerwehrverband e. V. (DFV)
 

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